Odyssey of the Mind
Wenn ich aus dem Schulfenster blicke, sehe ich all die Schüler, die jetzt in Ruhe nach Hause fahren können. Und ich frage mich - warum sitze ich noch hier? Warum gehöre ich nicht zu denen, die jetzt ihren freien Nachmittag genießen? Aber die Antwort ist eigentlich ganz einfach- aus Spaß! Es ist das nun schon zweite Mal, dass ich mit meinen Freunden am Kreativwettbewerb Odyssey of the Mind teilnehme.
Wir sitzen gemeinsam mit zwei andren Teams unserer Schule in der Bibliothek, und denken über Herkules, den sagenumwobenen Held des alten Griechenlands, nach. Überlegen, was er wohl früher für aufregende Abenteuer erlebt haben könnte. Denn in wenigen Monaten müssen wir eine originelle und humorvolle Aufführung über eben diesen Helden und seine Geschichten auf die Bühne bringen. Präsentieren dürfen wir sie dann beim Deutschlandfinale, welches dieses Jahr an unserer Schule ausgetragen wird.
Es ist der 31.03.2009. Heute ist der große Tag- das Deutschlandfinale findet statt! Wir verpassen unseren Kulissen den letzten Schliff, gehen in Gedanken noch einmal den Text durch und dann ist es so weit. Wir sind an der Reihe. Der Zeitnehmer hinter der Bühne versucht uns die Aufregung zu nehmen, aber ich zittere trotzdem und meine Hände sind schweißnass, als ich nach dem Hintergrund greife und ihn in die Mitte des markierten Bereiches schieben will.
Die Leute blicken uns erwartungsvoll an. Es wird spannend. Nach ein paar Minuten und etlichen Pannen aber ist es geschafft. Applaus braust auf. Die Jury, die uns bewertet, stellt einige Fragen, nimmt alles genau in Augenschein und wir verschwinden von der Bühne. Direkt zur nächsten Aufgabe - dem Spontanproblem. Eine junge Frau stellt uns eine Aufgabe, welche wir innerhalb kürzester Zeit bearbeiten und lösen müssen (ganz kreativ natürlich, und mit viel Teamgeist).
Am Ende des Tages werden die Sieger der verschiedenen Probleme (die Themen, von denen die Aufführungen handeln) bekannt gegeben. Wir siegen! Somit haben wir uns für die Worldfinals in den USA qualifiziert...
Die nächsten Wochen arbeiten wir noch härter. Wir müssen Spenden sammeln und Sponsoren suchen, um die Reise zum Finale zu finanzieren und außerdem unser gesamtes Stück noch einmal überarbeiten. Aber schließlich ist auch das geschafft. Am 26. Mai fliegen wir los. Auf ins schöne Iowa, an dessen Universität die Worldfinals dieses Jahr ausgetragen werden.
Außer uns sind dort noch mehr als 700 andere Teams, davon 6 deutsche.
Allein bei unserem Problem haben wir sechsundvierzig Gegner... Ob wir es wohl schaffen, den ersten Platz zu belegen, wie 1996 bereits ein anderes Team des Weinberg-Gymnasiums? Nun ja, ganz reicht es nicht. Aber wir werden immerhin Einundzwanzigster und das bei so vielen gegnerischen Teams...
Obwohl das Gewinnen dort sowieso nicht das Wichtigste ist. Wir treffen nämlich die verschiedensten Leute, zum Teil aus China, Australien, Singapur und natürlich den USA.
Auch aus Europa kommen einige Teams.
Nach einer Woche Odyssey of the Mind und einer Woche Aufenthalt bei unglaublich freundlichen Gastfamilien geht es wieder zurück.
Und ich bin froh, nicht wie all die anderen nach Hause gefahren zu sein. (Johanna, 2009)
Odyssey of the Mind ist ein amerikanischer Wettbewerb. Das Weinberg-Gymnasium Kleinmachnow nimmt schon seit 1994 daran teil. In Teams von bis zu 7 Mitgliedern wird eine Aufführung unter einem von 5 vorgegebenen Mottos (sog. „Problemen“) kreiert.
Für die Problemlösung hat die Gruppe ein halbes Jahr Zeit, dann findet das Deutschland-Finale statt. Dort müssen die Teams auch innerhalb von weniger als 10min kreativ werden. Dieses „Spontanproblem“ kann z.B. lauten: Wie bekommt man das Wasser aus einem Gartenteich? (Man zieht natürlich den Stöpsel!)
Ansprechpartner: Frauke Gehrau (10/4)